Therapie / Hypnotische
Wirkmechanismen
"Um klar zu sehen,
genügt oft ein Wechsel
der Blickrichtung"
Antoine de Saint Exupéry
Prinzipiell kann man mit Hypnose überall positive
Veränderungen bewirken.
Man geht in der Hypnosetherapie davon aus, dass
jeder Mensch über ein enormes, unterschwelliges
Vitalreservoir verfügt – die Summe seiner sämtlichen
Hintergrunderfahrungen, die unter dem Begriff Unbewusstes
zusammengefasst werden. Diese Erfahrungen
beeinflussen jeden von uns enorm, egal, ob wir das
nun wollen oder nicht.
Unser Unbewusstes arbeitet parallel zu unserem
Bewusstsein; es kann eigenständig Urteile fällen und
Wertungen vornehmen, meist fällt uns dies im Alltag
kaum auf, weil in solchen Situationen schnell das
Bewusstsein zur Stelle ist und sich als Initiator
möglicher Entscheidungen darstellt.
Unser Unbewusstes verfügt über selbstregulatorische
und –reinigende Fähigkeiten. Dieses
Potential kann in einem hypnotischen Zustand viel
besser gefördert werden als im Wachzustand. Im
hypnotischen Trancezustand ist der psychische
Abwehrmantel und der soziale Schutzpanzer porös und
löchrig – unbewusste Regungen, Impulse, Ideen oder
Vorstellungsbilder haben es hier leichter, sich
Gehör zu verschaffen.
Nicht immer ist es in der Hypnotherapie notwendig,
die Ausdruckfacetten des Unbewussten ins Bewusstsein
zu heben, um sie analytisch verständlich werden zu
lassen. Oft geht das gar nicht. Viele Gedanken
lassen sich einfach nicht verbalisieren, weil sie
viel zu schnell an der Aufmerksamkeit vorbeischießen
oder sich im Dunstkreis sehr früher Erfahrungen
sprachlichen Äußerungsformen entziehen.
Der therapeutische Umgang mit dem Unbewussten
verlangt, dass man einige Dinge zu beachten hat. Das
Unbewusste kennt keine Negationen. Es äußert
sich meist indirekt oder metaphorisch,
es bildet die Kategorien der Zeit anders ab
und, das wichtigste, es ist bewusst nicht zu
kontrollieren. Jeder Versuch mittels bewusster
Steuerung unbewusste Abläufe zu überwachen ist zum
Scheitern verurteilt. Genau genommen gibt es in der
Hypnosetherapie keinen Therapieplan (wie zum
Beispiel in der Verhaltenstherapie), weil man nie
weiß, wie sich der inhaltliche oder affektive
Verlauf einer induzierten Trance entwickelt. Der
Hypnosetherapeut greift die Thematik auf, die das
Unbewusste in Trance präsentiert.
Hypnotische Trancezustände sind äußerst labile
Zustände. Der Patient kann sehr schnell in die
unterschiedlichsten traumartig anmutenden
Erlebnisräume sinken, die ihn mit den vielfältigsten
Eindrücken in Berührung bringen. Er fühlt, erlebt
und empfindet, ohne dass er diese intensiven
Eindrücke sprachlich korrekt wiedergeben kann.
Dieser Vorgang an sich besitzt bereits einen starken
therapeutischen Charakter und wird von den meisten
Patienten als bereichend zuweilen sogar
euphorisierend beschrieben.
Die moderne Hypnosetherapie geht von der Prämisse
aus, dass jeder Mensch einzigartig ist.
Hieraus folgt zwingend, dass der Patient nicht mit
schematischen Suggestionen oder Anregungen behandelt
werden sollte, sondern mit speziell auf sein Denken
und Fühlen ausgerichteten Anstößen.
Hypnotische Trancezustände sind nicht mit einfachen
Entspannungszuständen zu verwechseln. Eine
hypnotische Trance ist wesentlich mehr als
Entspannung. Zwar werden die meisten hypnotischen
Trancen mittels Entspannung eingeleitet, dann jedoch
entwickeln sie ihre eigene, tragende Dynamik mit den
entsprechenden Stimmungsbildern.
Die meisten Menschen können relativ einfach den
hypnotischen Zustand erleben. Bedingung hierzu: Konzentrationsfähigkeit
und Mut, nicht unbedingt immer alles und jedes
kontrollieren zu müssen, also loslassen zu können.
In der Hypnotherapie wird mittels eines stark
veränderten Bewusstseinszustand ein neues, emotional
durchwebtes Feld eröffnet, auf dem neue
Entwicklungen, Wege und Möglichkeiten erwachsen
können.
Für wen kommt eine Hypnosetherapie in Frage?
Allgemein gilt, dass eine gute Motivation und
Vertrauen diesen Zuständen gegenüber die besten
Voraussetzungen darstellen. Der Patient spürt nach
nur wenigen (drei bis vier) Sitzungen genau, ob ihm
diese Art der Therapie weiterhilft. Bei den meisten
Patienten ist dies der Fall.
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